Sinnhaftigkeit einer Flat Tax?
Im Interview mit der Tageszeitung "Die Presse" (25.6.2005, www.diepresse.com/Artikel.aspx?channel=e&ressort=eo&id=490769) diskutiert Nationalratsabgeordneter und Wirtschaftsbund-Vertreter Karlheinz Kopf eine Ausweitung der Flat Tax von Kapitalgesellschaften auf alle Unternehmen in Österreich. Überhaupt gewinnt die Idee einer Flat Tax (insbesondere in Mittel- und Osteuropa) zunehmend an Akzeptanz. Allerdings gibt es von Expertenseite auch viel Kritik an Flat Tax Modellen. Was sind aus Eurer Sicht die Pro und Contra derartiger Modelle? Sind es Steuermodelle mit Zukunft oder Steuermodelle, die sich negativ auf die soziale Kluft auswirken?
Ich habe diesen Artikel ebenfalls gelesen, meine Meinung zur Einführung einer Flat Tax für betriebliche Einkünfte ist allerdings kritisch:
1.) Für Kapitalgesellschaften gibt es de facto eine Flat tax in Höhe von 25% Köst. Wenn die Gewinne nicht ausgeschüttet werden sind diese also bereits begünstigt.
2.) Für Unternehmer gibt es die Begünstigung für nicht entnommene Gewinne ebenfalls nur mit 25% zu versteuern.
3.) Ich habe keine genauen Statistiken gelesen, aber ich glaube dass die meisten ESt-Zahler im Durchschnitt genausoviel oder sowenig zahlen wie die LST-Zahler. Ich denke dass es lediglich eine Anpassung für Unternehmer hinsichtlich des 13. + 14. Monatsbezugs bedarf.
Im Sinne der (Steuer)Gerichtigkeit, falls es denn solche gibt, soll ein jedes Einkommen zu den gleichen Bedingungen besteuert werden, unabhängig davon, ob es betrieblich, unselbständig oder aus Kapitalvermögen herrührt.
Re: Flat Tax
Es sollte nicht so sehr auf die Flatness, sondern auf die Gleichmäßigkeit der Besteuerung ankommen. Alle Einkommen sollten gleich besteuert (und sozialversichert) werden, egal aus welcher Quelle. Wenn schon überhaupt, sollten die "arbeitslosen" Einkommen höher besteuert werden als die "arbeitsreichen" anstatt umgekehrt.
Allerdings würde das die Abschaffung der Doppelbesteuerung bedeuten, wofür ich auch eintreten würde, wenn die Sache fair geregelt ist; also nur Entnahmen/Ausschüttungen werden besteuert, dafür zum selben Steuersatz wie die anderen Einkünfte.
Einer der Grundsätze der österreichischen Einkommensteuer ist die der "wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit". Das Prinzip ist, dass der, der mehr Kohle hat, auch mehr zum Steuertopf beitragen soll. Dieses Prinzip ist gut und gerecht. Leider wird es zwar überall auf die Fahnen geschrieben aber nirgendwo verwirklicht. In Österreich ist es jedenfalls so, dass die exorbitant hohen Sozialversicherungsabgaben sich gar nicht an dieses Prinzip halten mit Ausnahme der Gratisversorgung von Kindern. Ansonsten zahlt auch der mit dem winzigsten Einkommen denselben Sozialversicherungssatz. Im Gegenteil, wer ein gewisses Einkommen überschreitet, zahlt dafür gar keine Sozialversicherung mehr. Dafür fallen dann mehr Steuern an, und in der Summe bleibt es sich ungefähr gleich.
Allerdings werden gerade Leute mit niedrigen Einkommen mit einem hohen Umsatzsteuer-Anteil belastet, weil sie alles ausgeben und dafür USt zahlen. Auch Leute mit hohem Einkommen zahlen nicht viel mehr USt im Betrag, und in Prozent von ihrem Einkommen zahlen sie sogar viel weniger USt als die Armen. Alles in allem ergibt sich, dass die von der Theorie her bestehende Steuerprogression eine Illusion ist und - wenn man die Gesamtsteuerbelastung betrachtet - die Niedrigverdiener denselben Prozentsatz ihres Einkommens an den Staat abliefern wie die Höchstverdiener, oder eher sogar noch mehr, weil sie sich Steuerberater und Verschiebung der Einkünfte in Steuerparadiese nicht leisten können.
Wenn wir dann noch die Flat Tax hätten, die die Einkommensteuer auf einen einheitlichen Tarif reduziert, zahlen die Minderbemittelten noch mehr und die Bezieher von Höchsteinkünften noch weniger. Dann gerät die Waage, die jetzt schon ziemlich schief liegt, völlig aus dem Gleichgewicht, zum Nachteil der Bezieher von niedrigen Einkommen, zum Vorteil der Bezieher von hohen Einkommen.
Ich habe keinen Zweifel, dass dies das unausgesprochene Ziel der Politik seit Jahrzehnten ist (ohne Rücksicht auf die regierende Partei).
Jawohl, Christoph, der 13./14. gehört abgeschafft. Ich nenne das "Zwangssparen". Die gesamte Volkswirtschaft wird dabei zwangsbespart. Die anfallsartigen Konsummehrausgaben in zwei, drei Monaten des Jahres sind auch für die Träger der Wirtschaft eine enorme Belastung. Außerdem verursacht das Urlaubsgeld eine Verschlechterung der Leistungsbilanz, weil alle Leute damit ins Ausland in den Urlaub fahren (das macht vielleicht nichts, weil unsere Leistungsbilanz ohnehin trotzdem positiv ist).
Mein Vorschlag ist, dass diese Gehälter gleichmäßig auf alle Monate des Jahres verteilt werden sollen, abgeschafft wird nur die Auszahlungsform und die begünstigte Besteuerung bei gleichzeitiger Senkung des allgemeinen Steuertarifs.
Immer wieder gehen Leute aus dem selbständigen Bereich zum Verfassungsgerichtshof und klagen auf begünstigte Besteuerung eines 7tels des Jahreseinkommens aufgrund des Gleichheitsgrundsatzes. Bisher hat es der VfGH noch immer fertig gebracht zu behaupten, dass diese Begünstigung der nichtselbständigen Arbeit gegenüber den anderen Einkünften zu Recht bestehe wegen der "Gestaltungsmöglichkeiten" der anderen. Allerdings ist der österreichische Gesetzgeber seit Jahrzehnten erfolgreich damit beschäftigt, die "Gestaltungsmöglichkeiten" asymptotisch gegen Null zu reduzieren. Irgendwann in der rostigen Zukunft wird auch der VfGH einsehen müssen, dass es diese "Gestaltungsmöglichkeiten" gar nicht mehr gibt und den 13./14. für verfassungswidrig erklären. Allerdings glaube ich nicht, dass ich das noch erleben werde. Bis dahin werde ich jedenfalls weiterhin beim Libro von Konsumenten fallengelassene Belege über Büromaterial vom Boden aufklauben, damit ich (in meinem nebenberuflichen Gewerbe) wenigstens einen Gestaltungsspielraum von 3,50 in Anspruch nehmen kann.
Wenn wir schon über Steuermodelle reden: Es wäre hoch an der Zeit, dass wir die Einkommensteuer überhaupt abschaffen und ersetzen durch eine Steuer, die sich am Verbrauch von natürlichen Ressourcen orientiert. Bekanntlich geht uns jetzt das Öl aus, das Klima erwärmt sich, im Kongo sind 4 Millionen Tote zu beklagen wegen des Reichtums des Landes an mineralischen Rohstoffen und so weiter. Da liegt es doch auf der Hand, dass wir die Tätigkeiten besteuern, die unser Land und die gesamte Menschheit am meisten belasten: den Verbrauch bzw. die Zerstörung von Rohstoffen und Umwelt. Und es liegt doch auf der Hand, dass wir das am wenigsten besteuern, was wir am meisten brauchen: Arbeit.
Bei der Gelegenheit gehe ich gern noch ein Stück weiter. Wenn's nach mir ginge, brauchte ich keine Arbeit. Lieber würde ich auf der Donauinsel liegen und meinen Kindern aus einem spannenden Buch vorlesen. Wir brauchen doch nur deswegen Arbeit, weil uns die von namentlich bekannten Menschen absichtlich und willkürlich festgelegten Regeln dieses Landes (kein Naturgesetz!) ansonsten die Existenzgrundlage entziehen. Sehet die Vögel auf dem Felde: Sie säen nicht, sie ernten nicht, und Gott ernährt sie doch. Auch die Menschen werden von Gott ernährt, wenn sie nicht gerade so dumm sind in Gebiete zu ziehen, wo es 8 Monate im Jahr Winter ist.
Dann würde ich doch lieber ein paar Kartoffeln anbauen, anstatt 1800 Stunden im Jahr in der Sklavenarbeit zu verbringen, die für mich und die Meinen überhaupt keine Bedeutung hat. Leider kann ich es mir gar nicht leisten, die Produktionsmittel, die dafür nötig sind, zu kaufen, sodass ich für ewig in der fremdbestimmten Sklavenarbeit verhaftet bleiben werde.
Von meinem Sklavenlohn zahle ich 50% Abgaben, bevor es überhaupt auf meinem Bankkonto erscheint (inklusive "Arbeitgeberbeiträge", die ja gar keine "Arbeitgeberbeiträge" sind, sondern mein zusätzlicher Beitrag zur Sozialversicherung, der ansonsten mein Einkommen sein sollte), USt noch gar nicht gerechnet. Dabei hab ich gar kein hohes Einkommen, schließlich bin ich eine Frau, die bekanntlich 40% weniger verdient als ein Mann von vergleichbarer Qualifikation, also ungefähr nur die Hälfte.
Re: Flat Tax
Bedeutet Flax Tax nicht auch, dass es keine Doppelbesteuerung gibt? *sich-nicht-sicher-ist* Falls ja, kann man es mit den 25 % KöSt. in Österreich nicht vergleichen.
Wenn die arbeitslosen Einkommen höher besteuert würden, wäre es notwendig das Arbeitslosengeld vieler Leute anzuheben, da diese sonst nicht genug Geld zum Leben hätten. Das macht daher aus meiner Sicht wenig Sinn.
Die Sozialversicherung ist eine Absicherung gegen Kosten entstehen durch Krankheiten, Unfälle, etc. Jemand, der mehr verdient, wird deshalb aber nicht öfters oder schwerer krank. Deshalb wäre es auch nicht fair, die Maximalgrenze noch weiter anzuheben, meiner Meinung nach. Da fände ich es besser, die Lohn- und EKSt. anzuheben.
Warum zahlen Mehrverdiener %uell gesehen mehr USt. als Wenigverdiener? Es hängt doch nur davon ab, wie viel % seines Nettoeinkommens man ausgibt und wofür, oder nicht?
Du hast weiters geschrieben:
"Alles in allem ergibt sich, dass die von der Theorie her bestehende Steuerprogression eine Illusion ist und - wenn man die Gesamtsteuerbelastung betrachtet - die Niedrigverdiener denselben Prozentsatz ihres Einkommens an den Staat abliefern wie die Höchstverdiener, oder eher sogar noch mehr, weil sie sich Steuerberater und Verschiebung der Einkünfte in Steuerparadiese nicht leisten können."
Soweit ich weiß, erhöht sich die Lohn- als auch die EKSt. %uell mit der Höhe der Einkünfte. Wenn dem so ist, worauf begründet sich dann deine Theorie?
Eine Flat Tax hilft den Reichen und schadet den Armen. *zustimm* Was das 13./14. angeht, so gehört es abgeschafft, sehe ich auch so, aber das ist politisch leider nicht durchführbar. Es ist eine von Österreichern lieb gewonne Sache, die man nicht mehr abschaffen kann, ohne politischen Selbstmord zu begehen.
Es wird auch viel in Österreich Urlaub gemacht. Das ist nicht so schlimm. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir nicht den Großteil der Österreicher darstellen. Wir dürfen nicht von unseren Urlaubsgewohnheiten und jenen unseres Freundes- und Bekanntenkreises auf die aller Österreicher schließen.
Warum sollte das 13./14. verfassungswidrig sein?
Das hängt vom Unternehmen ab (ob Frauen ungleichmäßig weniger verdienen als Männer oder nicht).